Neurologie & Psychiatrie
Alzheimer und Demenz: Diagnose
Zusammenfassung des Konsensusstatements "Demenz" der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft und Österreichischen Alzheimer Liga
Jedes Konsensusstatement wird nach wissenschaftlichem Evidenzgrad und klinischer Empfehlung der Konsensuskonferenz bewertet. Erster Teil des Ausdruckes in Klammer ist wissenschaftlicher Evidenzgrad, zweiter Teil ist klinischer Empfehlungsgrad. Die Beurteilungskriterien sind dem Anhang zu entnehmen.
Epidemiologie
Im Jahr 2000 litten in Österreich etwa 90.500 Personen unter einer dementiellen Erkrankung. Bis zum Jahr 2050 wird diese Zahl auf etwa 233.800 angestiegen sein. Die jährlichen Neuerkrankungen werden von 23.600 im Jahr 2000 auf 59.500 im Jahr 2050 ansteigen. Der überwiegende Teil der Kosten für die Versorgung und Behandlung fällt nicht bei der öffentlichen Hand, sondern bei den pflegenden Familienangehörigen an.
Diagnostik
Die Diagnostik bei Demenzerkrankungen basiert auf klinischen Befunden und Zusatzuntersuchungen. Sie sollte so früh wie möglich im Demenzverlauf erfolgen, da ein früher Therapiebeginn die Prognose verbessern kann (A).
Obligatorische diagnostische Schritte (I, A)
Anamnese
- Eigenanamnese
- Außenanamnese
- Familienanamnese
- Sozialanamnese
Neurologischer Status
Psychiatrischer Status
Internistischer Status
Neuropsychologie
Kognitive Tests
MMSE: Zur ersten Bestimmung, ob bei einer Person eine Demenz vorliegen könnte, wird oft ein Test namens Mini-Mental-Status-Examination (nach Folstein) eingesetzt. Dieser Test wird auch zur Bestimmung der Veränderung im Laufe der Krankheit oder zum Nachweis der Wirkung von Medikamenten benutzt.
Der Mini-Mental-Test setzt sich aus 30 Aufgaben zusammen, deren richtige Beantwortung/Erledigung jeweils einen Punkt gibt. Unterschiedliche berufliche Erfahrungen und Schulbildung beeinflussen die Testergebnisse leicht und sollten in die Auswertung einfließen. Bei einem Ergebnis von weniger als 24 Punkten sollte unbedingt abgeklärt werden, welche Ursachen dafür vorliegen.
Der Test überprüft:
A. Orientierung: zeitlich und örtlich</b>
B. Merkfähigkeit:
z.B.: Man nennt 3 Gegenstände und fordert den Patienten auf, die Begriffe zu wiederholen (1 Punkt für jede richtige Antwort).
C. Aufmerksamkeit und Rechenfähigkeit:
z.B.: Von 100 an sind jeweils 7 abzuziehen. Falls ein Rechenfehler gemacht wird und die darauf folgenden Ergebnisse "verschoben" sind, so wird nur ein Fehler gegeben
oder
Falls der Patient die Aufgabe nicht durchführen kann oder will, "RADIO" rückwärts buchstabieren lassen: O-I-D-A-R
D. Erinnerungsfähigkeit:
Man fragt nach den 3 zuvor genannten Wörtern aus Aufgabe B (Merkfähigkeit):
E. Sprache und andere Funktionen:
Benennen von gezeigten Gegenständen.
Nachsprechen einfacher Sätze.
Man lässt den Patienten 3 Kommandos befolgen (erst nachdem alle 3 Schritte erklärt wurden), z.B.:
- "Nehmen Sie dieses Blatt in die rechte Hand!
- "Falten Sie es in der Mitte!"
- "Legen Sie es auf den Boden!"
Man zeigt dem Patienten ein Blatt mit der Aufschrift "Schließen Sie die Augen" und bittet den Patienten, die Anweisung zu lesen und zu befolgen.
Man gibt dem Patienten ein Blatt und fordert ihn auf, einen vollständigen Satz aufzuschreiben (geachtet wird auf Vollständigkeit, nicht auf Rechtschreibfehler).
Auswertung
Die Auswertung wird anhand der von 0 bis 30 Punkten reichenden Skala vorgenommen. Bei einer Punktzahl unterhalb von 24 bis 26 Punkten liegt ein pathologisches kognitives Defizit vor. Eine Punktzahl von 11 bis etwa 26 Punkte weist auf eine leichte bis mittlere Demenz hin, eine schwere Form liegt bei einer Punktzahl von unter zehn vor.
- Depressionsskalen
Laborparameter
- Komplettes Blutbild
- Elektrolyte (Na+, K, Cl, Phosphat)
- Nierenfunktionsparameter
- Leberfunktionsparameter
- Blutzucker
- Schilddrüsenfunktionsparameter
- Vitamin B12/Folsäure
CCT, besser MRT
- Koronare Schichten
- Atrophiemuster
Optionale diagnostische Schritte (I, A)
EEG
SPECT/PET
Genetik
- Apolipoprotein E
- Autosomal dominante Mutationen
- CADASIL
Liquoranalyse4
- Tau-Protein, Phospho-Tau-Protein
- Amyloid ß42-Peptid
- 14-3-3-Protein
Serologie
- Luesserologie
- HIV
- Parathormon
- Autoantikörper






